Noch ’n Gedicht

6. März 2009

Die Muse, dieses unwillige Ding

Filed under: Sagenschatz — Ralf @ 15:34

… lässt manchmal eine ganze Weile auf sich warten. Aber wie auch immer, das Resultat ist eine Erweiterung der modernen Kenntnis über antiken Sagenschatz

Grounding

Dädalus der Hobbywerker
baut für Minos einen Kerker
genauer noch ein Labyrinth,
dem keiner mehr so rasch entrinnt.

Dem Minotaur, halb Mensch halb Stier,
füttert man seitdem Jungfraun hier
bis Theseus dann, am Faden rot,
das Untier findet und schlägt tot.

Sich rasch noch den Kadaver schnappt,
ihn frech im Gyrosgrill serviert,
gehackt, gegrillt in Fladen pappt,
als Biorind falsch deklariert.

Derweil schiebt Dädalus den Blues
zusammen mit Sohn Ikarus
sitzt er an Kretas Strand ruft aus:
„Ich bin ein Star, holt mich hier raus.“

Er sammelt Federn hier und da,
rupft Habichte und Hennen,
die machen darauf FKK
und spürn die Sonne brennen.

Die spürt kurz drauf auch Ikarus,
er hat vor Freud vergessen,
dass man beim Flug nicht nur den Kurs
sondern auch Höh‘ sollt messen.

Sein Federkleid schmilzt schnell dahin,
es bleiben ihm nur Reste.
Als letztes geht ihm durch den Sinn:
Wo ist die Rettungsweste?

Verletzung der Pilotenpflicht,
so heisst es offiziell am Schluss,
im Luftfahrtsicherheitsbericht,
war Schuld am Crash der Ikarus.

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10. Dezember 2006

Manchmal …

Filed under: noch eins,Sagenschatz — Ralf @ 14:59

… ist eine Vorlage bereits äusserst witzig, so dass es kaum einer Bearbeitung bedarf. Wer sich davon überzeugen will möge hier nachschauen.

Phaeton

Phaeton sagte einst zu Phöbos
„Paps kann ich mal den Wagen haben?
Die andern Jungs hänseln mich bloss,
behaupten, ich sei nicht erhaben.
Dabei bin ich dein eigen Sohn
und du bist schliesslich Sonnengott,
drum gib mir als verdienten Lohn
den Feuerwagen, das wär flott.“

Und Phöbos – Helios und Daddy –
schaut seinen Sprössling mahnend an:
„Mach keine Kratzer in den Caddy
und fahr nur auf der Sonnenbahn.
Bleib ja weg von den beiden Polen,
die schmelzen nämlich früh genug,
versuch bloss nicht zu überholen,
es ist schon so ein heisser Flug.“

Phaeton gibt Gummi auf die Reifen,
auch wenn’s den damals noch nicht gab,
bereit der Sonne Macht zu greifen
nimmt er den Weg zum eigenen Grab.
Schrammt einen Stern vom grossen Wagen,
fährt viel zu schnell, der Sohn vom Gott,
fährt ohne Sinn, beginnt zu zagen,
fährt so den Wagen fast zu Schrott.

Zeus stoppt schliesslich den wilden Toren,
der stürzend viel verbrennt auf Erden
und dabei auch verbrennt die Mohren,
die seither nicht mehr recht weiss werden.


Bemerkung: Seit 2002 produziert VW den Phaeton. Man fragt sich, ob dieser Name für ein Automobil wirklich so intelligent gewählt ist. – Sorry Moni *zwinker*

6. Dezember 2006

Was Gustav Schwab kann …

Filed under: noch eins,Sagenschatz — Ralf @ 16:07

… kann ich auch. Nämlich die Sagen des klassischen Altertums einer modernen Leserschaft näher bringen. Und deswegen:

Prometheus

Prometheus dieser alte Held
spielte einst mit Schlamm und Lehm.
Hat Menschen heimlich hergestellt,
für Zeus war’s ein Problem.

Als Promi – wie ihn Freunde nennen –
dem Zeus auch noch das Feuer stiehlt
muss er recht rasch von dannen rennen
weil Zeus die Rache schon befiehlt.

Pandora kommt zur Erd hernieder,
kippt auch noch ihre Büchse aus.
Zum Glück kehrt sie nicht jährlich wieder
so wie der dicke Santa Claus.

Und Promi? Ach, was soll ich sagen?
Er wird am Felsen angekettet.
Ein Adler frisst aus seinem Magen
die Leber, die schon recht verfettet.

Doch besser so, als heim zu fahren,
dort würd ihn seine Frau versohlen.
Denn seine Abschiedsworte waren:
„Schatz, ich geh rasch Feuer holen.“

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