Noch ’n Gedicht

10. Dezember 2006

Service für eilige Leser

Filed under: Kurzversion — Ralf @ 20:33

Phaeton (Kurzfassung)

Phaeton fährt mit Papas Schlitten
pfeilschnell übers Himmelszelt,
stürzt herab, hat viel gelitten
und verbrennt die halbe Welt.
Liegt jetzt tot in einem Flusse,
seine Schwestern weinen Harz 1)
und zu allseit’gem Verdrusse
sind auch noch die Neger schwarz.

(Hier gehts zur Langfassung)

1) Laut Sage verwandeln sich die Heliaden, die Schwestern von Phaeton, in Trauerpappeln und beweinen seinen Tod. Ihre Tränen fallen als Bernstein in den Fluss Eridanus und werden davon gespült. Nachzulesen z.B. bei Ovid.

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Manchmal …

Filed under: noch eins,Sagenschatz — Ralf @ 14:59

… ist eine Vorlage bereits äusserst witzig, so dass es kaum einer Bearbeitung bedarf. Wer sich davon überzeugen will möge hier nachschauen.

Phaeton

Phaeton sagte einst zu Phöbos
„Paps kann ich mal den Wagen haben?
Die andern Jungs hänseln mich bloss,
behaupten, ich sei nicht erhaben.
Dabei bin ich dein eigen Sohn
und du bist schliesslich Sonnengott,
drum gib mir als verdienten Lohn
den Feuerwagen, das wär flott.“

Und Phöbos – Helios und Daddy –
schaut seinen Sprössling mahnend an:
„Mach keine Kratzer in den Caddy
und fahr nur auf der Sonnenbahn.
Bleib ja weg von den beiden Polen,
die schmelzen nämlich früh genug,
versuch bloss nicht zu überholen,
es ist schon so ein heisser Flug.“

Phaeton gibt Gummi auf die Reifen,
auch wenn’s den damals noch nicht gab,
bereit der Sonne Macht zu greifen
nimmt er den Weg zum eigenen Grab.
Schrammt einen Stern vom grossen Wagen,
fährt viel zu schnell, der Sohn vom Gott,
fährt ohne Sinn, beginnt zu zagen,
fährt so den Wagen fast zu Schrott.

Zeus stoppt schliesslich den wilden Toren,
der stürzend viel verbrennt auf Erden
und dabei auch verbrennt die Mohren,
die seither nicht mehr recht weiss werden.


Bemerkung: Seit 2002 produziert VW den Phaeton. Man fragt sich, ob dieser Name für ein Automobil wirklich so intelligent gewählt ist. – Sorry Moni *zwinker*

6. Dezember 2006

Was Gustav Schwab kann …

Filed under: noch eins,Sagenschatz — Ralf @ 16:07

… kann ich auch. Nämlich die Sagen des klassischen Altertums einer modernen Leserschaft näher bringen. Und deswegen:

Prometheus

Prometheus dieser alte Held
spielte einst mit Schlamm und Lehm.
Hat Menschen heimlich hergestellt,
für Zeus war’s ein Problem.

Als Promi – wie ihn Freunde nennen –
dem Zeus auch noch das Feuer stiehlt
muss er recht rasch von dannen rennen
weil Zeus die Rache schon befiehlt.

Pandora kommt zur Erd hernieder,
kippt auch noch ihre Büchse aus.
Zum Glück kehrt sie nicht jährlich wieder
so wie der dicke Santa Claus.

Und Promi? Ach, was soll ich sagen?
Er wird am Felsen angekettet.
Ein Adler frisst aus seinem Magen
die Leber, die schon recht verfettet.

Doch besser so, als heim zu fahren,
dort würd ihn seine Frau versohlen.
Denn seine Abschiedsworte waren:
„Schatz, ich geh rasch Feuer holen.“

4. Dezember 2006

Der Wille Bedeutendes zu schaffen

Filed under: noch eins — Ralf @ 21:21

… drückt sich bei Literaten häufig in ihren Werken aus. Und was ist bedeutender als

Der Sinn der Welt

An einem Tag, ein Mittwoch wohl
klang eine Stimme, donnernd, hohl:
„Hallo, hier spricht der Sinn der Welt.
Ich will für meinen Job mehr Geld.
Bin ich’s doch, der den Grund ausmacht,
warum ihr weint, warum ihr lacht,
der in ach tagtäglicher Qual
da lenkt das ganze Weltschicksal.
Die Arbeit, glaubt’s mir, sie ist schwer.
Drum gebt mir also etwas mehr.“

Die Menschheit rief: „Du willst mehr Lohn?
Du bist verrückt, scher dich davon.
Wir nehmen uns den Unsinn her,
der macht das auch für weniger.“
Und somit ist seither die Welt
aus Geiz dem Unsinn unterstellt.

Was man so sagt

Filed under: noch eins — Ralf @ 21:14

Zum Beispiel: „Ich dachte immer, Gedichte sind ernst und kurz.“ Manchmal kann das bereits genügen:

Ernst und Kurz

Ernst und kurz, so soll er sein,
der Vers von Meisterhand.
Einst war ein Mann, einsam, allein,
Ernst Kurz ward er genannt.
In Wahrheit war er eher lang
und lustig war er auch.
Doch „Lustig Lang“, welch übler Klang,
da dreht sich ja der Bauch.
Drum bleiben wir hier Ernst und Kurz
und lachen nicht bei jedem Frohsinn.

3. Dezember 2006

Eine Aufgabe

Filed under: noch eins — Ralf @ 16:23

Hin und wieder kommen Freunde von mir auf die (un)glückliche Idee, mir eine Aufgabe zu stellen. „Schreib doch mal ein Gedicht über Winkel im Dreieck“. Saublöde Idee … oder auch nicht:

Der Dreieckswinkel

Ein Dreieckswinkel ist seit Tagen
am Jammern, Meckern, Schimpfen, Klagen.
Gar traurig es ihm da entrinnt:
„Ich bin für Höheres bestimmt.
Zwar bin ich und das ist nicht schlecht,
als einziger hier drinnen recht,
allein mein Vetter, der feine Pinkel,
der hat ’nen Job in Reit im Winkel,
ist arrogant, hochnäsig, eitel,
trägt akkurat ’nen Mittelscheitel.
Wird reich als Winkeladvokat –
und was krieg ich? So 90 grad.
Sogar mein Bruder hat es netter.
Als Hobbywerker hält er Bretter
und treibt’s dabei so wie ein Scheich
mit 15 Spaxschrauben zugleich.
Doch halt – jetzt hab ich meinen Trumpf.
Ich steige auf, werd‘ überstumpf.“
So sprach er und sprengt zu dem Zweck
als Dreieckswinkel sein Dreieck.

Was lernt man nun aus dem Gedicht?
Dass auch ein Winkel mal zerbricht.
Weil wenn er nur drei Ecken sieht
begeht selbst er einmal Suizid.

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